Die Zeiten, in denen Produkttests im Netz und die Einladung zu Events oder Reisen diverser Kooperationspartner noch belächelt wurden, sind lange vorbei. Immer mehr Unternehmen verstehen, wie viel Einfluss Blogger inzwischen durch ihre eigens geschaffenen Plattformen nehmen können und haben ihre Marketing-Strategien in den letzten Jahren deshalb vermehrt auf Kooperationen mit Bloggern im Rahmen der sog. Blogger Relations ausgeweitet. In einem rechtsfreien Raum bewegen sich Blogger und Kooperationspartner dabei aber keineswegs. Zu beachten ist insbesondere die (Werbe-)Kennzeichnungspflicht solcher Kooperationen.

Die Bloggerkooperation – Wo liegt eigentlich das Problem?

„Die anderen kennzeichnen ja auch nicht, deshalb wird das schon in Ordnung sein!“
Stimmt nicht so ganz! Nur weil (leider immer noch) viele Blogger, die mit Unternehmen kooperieren, diese Zusammenarbeit nicht oder nicht richtig kennzeichnen, muss dies natürlich noch lange nicht rechtens sein. Vor einer Kooperation solltest du dich immer erst einmal selbst in Bezug auf die Rechtslage informieren, denn sowohl Blogger als auch Unternehmen haben einige rechtliche Vorschriften zu beachten.

Da der Gesetzestext aber für Nicht-Juristen vielleicht manchmal ungefähr so ‚°^“§&1^)#?°° aussehen mag, möchte ich versuchen, die Rechtslage rund um das Thema „Kennzeichnung von Blogger-Kooperationen“ zu veranschaulichen.

Leider ist es auch heute noch so – und das habe ich schon unzählige Male selbst auf Blogs und in Anfragen an mich gesehen – dass da auf beiden Seiten noch erheblicher Nachholbedarf besteht. Woran das liegt? Mit großer Wahrscheinlichkeit an fehlender Rechtskenntnis und zwar auf beiden Seiten.

Die Rechtslage

Damit man als Blogger und auch als Kooperationspartner versteht, wieso die richtige Kennzeichnung von Kooperationen so wichtig ist, verdeutliche ich das Problem anhand des geltenden Rechts.

Eigentlich ist es ganz einfach, oder? Wo Werbung drinsteckt, muss auch Werbung drauf stehen!

Das Gesetz erklärt es allerdings mal wieder ein bisschen komplizierter. In zahlreichen Vorschriften finden sich Regelungen zu unserem Themengebiet. Relevant sind zum einen wettbewerbsrechtliche Vorschriften im UWG, aber auch Regelungen im TMG und im RStV sind von Bedeutung.

Auf die einzelnen Vorschriften möchte ich im Folgenden genauer eingehen.

Wettbewerbsrechtliche Vorschriften

In § 5a Abs. 6 UWG heißt es:

Unlauter handelt auch, wer den kommerziellen Zweck einer geschäftlichen Handlung nicht kenntlich macht, sofern sich dieser nicht unmittelbar aus den Umständen ergibt, und das Nichtkenntlichmachen geeignet ist, den Verbraucher zu einer geschäftlichen Entscheidung zu veranlassen, die er andernfalls nicht getroffen hätte.

Was genau eine geschäftliche Handlung ist, wird in der Legaldefiniton in § 2 Abs. 1 Nr. 1 UWG erläutert: „geschäftliche Handlung“ bedeutet demnach „jedes Verhalten einer Person zugunsten des eigenen oder eines fremden Unternehmens vor, bei oder nach einem Geschäftsabschluss, das mit der Förderung des Absatzes oder des Bezugs von Waren oder Dienstleistungen oder mit dem Abschluss oder der Durchführung eines Vertrags über Waren oder Dienstleistungen objektiv zusammenhängt…“.

In Betracht könnte ferner ein Verstoß gegen Nr. 11 des Anhangs zu § 3 Abs. 3 UWG kommen. Diese Regelung schreibt vor, dass

der vom Unternehmer finanzierte Einsatz redaktioneller Inhalte zu Zwecken der Verkaufsförderung unzulässig ist, wenn sich dieser Zusammenhang nicht aus dem Inhalt oder aus der Art der optischen oder akustischen Darstellung eindeutig ergibt (als Information getarnte Werbung).

Rechtlich gesehen ist Werbung nämlich nicht nur diejenige, die für den Leser auf den ersten Blick ganz offensichtlich als solche erkennbar ist, sondern vielmehr alle Handlungen des Unternehmens mit der Absicht, den Absatz der Waren und Dienstleistungen zu fördern.

Auf Blogs bietet sich dafür insbesondere die Möglichkeit eines redaktionellen Blogbeitrags an, in dem der Blogger über ein Produkt oder das Unternehmen/die Marke selbst berichtet. (Beachte aber: auf Instagram oder Facebook liegt tendendziell kein redaktioneller Beitrag vor, sodass Nr. 11 des Anhangs zu § 3 Abs. 3 UWG gegebenfalls nicht anwendbar ist – dies ist jeweils im Einzelfall zu prüfen. Mehr zum aktuellen Thema der Kennzeichnungsplficht von Werbung auf Instagram erkläre ich dir in diesem Blogbeitrag.)

Leider habe ich es selbst auch schon erlebt, dass Unternehmen hierbei fordern, dass solche Kooperationen nicht als „Werbung“ oder „Anzeige“ gekennzeichnet werden sollen. Der Grund ist wohl folgender: die Befüchtung, dass der Effekt der Authentizität des unabhängigen Bloggers mit Offenlegung einer Kooperation verloren geht.

Diese Offenlegung ist aber in Deutschland zwingend vorgeschrieben.

Das Trennungsgebot

So regelt das sog. Trennungsgebot, dass redaktionelle Arbeit und Werbung klar voneinander getrennt werden müssen, denn dem Leser soll bewusst sein, ob der Blogger für den Artikel Geld bekommen hat oder ihm das Produkt, über das berichtet wird, kostenfrei zur Verfügung gestellt (und seine Berichterstattung aus diesem Grund eventuell beeinflusst) wurde.

So regelt § 6 Abs. 1 Nr. 1 TMG, dass

Diensteanbieter bei kommerziellen Kommunikationen, die Telemedien oder Bestandteile von Telemedien sind [worunter ein Blog als Internetseite fällt] mindestens die Voraussetzung zu beachten hat, dass kommerzielle Kommunikationen [aka Werbung] als solche erkennbar sein muss.

Auch § 58 Abs. 1 RStV enthält eine Regelung dahingehend, dass Werbung als solche klar erkennbar und vom übrigen Inhalt der Angebote eindeutig getrennt sein muss. Außerdem schreibt dieser Paragraph vor, dass in der Werbung keine unterschwelligen Techniken eingesetzt werden dürfen.

Das sind viele Regelungen auf einmal, die allerdings eines gemein haben: die sog. Schleichwerbung soll in allen Medienformen (Print, Online, Youtube, Fernsehen etc.) verboten sein.

Die Kooperationsmöglichkeiten für Blogger mit Unternehmen sind vielfältig:

  • Manchmal sendet das Unternehmen dem Blogger lediglich (unaufgefordert) ein Produkt zu und es ist ihm/ihr vollkommen selbst überlassen, ob und was darüber geschrieben wird.
  • In anderen Fällen wird eine Gegenleistung für die Bereitstellung des Produktes erwartet, bspw. die Berichterstattung oder Inszenierung des Produktes/der Marke auf dem Blog oder den sozialen Kanälen.
  • Auch die Einflussnahme auf die Berichterstattung kann unterschiedlich ausfallen: so besteht die Möglichkeit der vorformulierten Beiträge, die nur noch veröffentlicht werden sollen.
  • Oftmals ist es auch so, dass ein Kooperationspartner den Beitrag noch einmal gegenlesen und eventuell „korrigieren/verbessern“ möchte, bevor er auf dem Blog veröffentlicht wird.

Auch ohne juristischen Fachverstand fällt hierbei doch schnell auf, dass diese letzten beiden Varianten im Gegensatz zur ersten Variante eine deutlichere Beeinflussung darstellen, die nicht nur in die schöpferische Freiheit, sondern insbesondere auch in den Wettbewerb eingreifen kann. Jedenfalls dann, wenn keine deutliche Kennzeichnung des Beitrags als Werbung erfolgt.

Denn genau das macht die Einflussnahme des Unternehmens aus dem Blogbeitrag: Werbung für das eigene Produkt oder die eigene Dienstleistung des Unternehmens, um davon zumindest mittelbar profitieren zu können.

Nach dem oben genannten Trennungsgebot muss das aber gerade deutlich gekennzeichnet werden. Grund dafür ist, dass der Leser dem Inhalt eines vermeintlich unabhängig verfassten Blogbeitrags „mehr Glauben schenkt“ als dem eines Textes, den das Unternehmen selbst verfasst hat und sich darin mit großer Wahrscheinlichkeit besonders gut präsentieren möchte.

Der BGH hat in einem Urteil vom 01. Juli 2010 dazu folgendes ausgeführt:

Die Bestimmungen dienen der Trennung von Werbung und redaktionellem Teil der Medien, weil der Verbraucher häufig den als redaktionelle Inhalte getarnten Werbemaßnahmen unkritischer gegenübersteht als der Wirtschaftswerbung.

Nichtsdestotrotz wird die Einschätzung als „Werbung“ allerdings von den Umständen des jeweiligen Einzelfalles abhängen. Vordergründig kommt es in diesem Bereich nach Ansicht des BGH darauf an, wie ein durchschnittlicher Leser den Beitrag auffasst. So heißt es in einem Urteil des BGH vom 06. Februar 2014:

Maßstab ist das Verständnis des durchschnittlich informierten, situationsadäquat aufmerksamen und verständigen Verbrauchers.

Vorsicht ist also geboten, wenn es darum geht, die Bedingungen der Kooperation mit einem Unternehmen auszuhandeln. Pauschal kann man zwar nicht sagen, wann in jedem Fall eine Kooperation als Werbung eingestuft wird (die dann auch als Werbung gekennzeichnet werden muss) oder als redaktioneller Beitrag.

Es kommt vielmehr in jedem Einzelfall darauf an, wie der Durchschnittleser des Blogbeitrags diesen versteht. Diese Prüfung wird nicht immer einfach sein, weshalb man sich hier auf einem schmalen Grat bewegt, auf dem es von Kleinigkeiten abhängen kann, wann eine Werbemaßnahme und wann ein rein redaktioneller Beitrag vorliegt.

Ab wann ist eine Kennzeichnung erforderlich?

Aus den o.g. Grundsätzen ergibt sich, dass die Kennzeichnungspflicht immer dann ins Spiel kommt, wenn der Leser wie zuvor beschrieben, durch die redaktionelle Aufmachung des Blogbeitrags darüber getäuscht wird, dass der Blogger objektiv über ein Produkt o.ä. berichtet, obwohl er vom auftraggebenden Unternehmen wirtschaftlich beeinflusst wurde.

Voraussetzung ist neben dem Täuschungelement also zusätzlich das Element der wirtschaftlichen Beeinflussung des Bloggers. Wichtig zu wissen ist in diesem Zusammenhang, dass eine wirtschaftliche Beeinflussung nicht nur in Form einer Vergütung/eines Honorars vorliegen kann, sondern auch in der Überlassung des Produkts selbst oder z.B. auch der Einladung zu einer Reise oder Hotelübernachtung und der Übernahme der Kosten für diese (oder einem damit zusammenhängenden Preiserlass).

Ab wann bzw. ab welcher Höhe genau eine solche „wirtschaftliche Beeinflussung“ des Bloggers vorliegt, ist jedoch nicht abschließend geklärt. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang beispielsweise das Anbringen einer Wertgrenze in dem Sinne, dass erst bei einer bestimmten Höhe des Produktswertes von einer wirtschaftlichen Beeinflussung ausgegangen werden kann.

Im Gespräch sind dabei jedoch ganz unterschiedliche Wertangaben, die von 1 bis 1000 EUR reichen. Kollege Dr. Thomas Schwenke schlägt beispielsweise eine Wertgrenze von 1000 EUR als vertretbar vor und überträgt damit den Produktwert aus dem Videobereich, der dort den Hinweis auf Product Placements erforderlich macht (dies selbst dann, wenn zusätzlich zur Bereitstellung des Produktes keine anderweitige Zahlung erfolgt ist).

Dies ist meines Erachtens durchaus vertretbar, bedenken solltest du als Blogger aber in diesem Themengebiet immer auch, dass eine festgeschriebene Wertgrenze für den Fall des gesponserten redaktionellen Blogbeitrags im Gesetz selbst nicht verankert ist und auch die Gerichte darüber bisher nicht abschließend entschieden haben. Das Thema ist nach wie vor hoch diskutiert und sollte von dir als Blogger unbedingt weiter im Blick behalten werden. Diskutierte Wertgrenzen hin oder her, meines Erachtens sollten erhaltene Gegenleistungen so oder so auch transparent als solche nach außen kommuniziert werden.

Solange es hierzu keine gesetzlichen oder höchstrichterliche Vorgaben gibt, wird die Entscheidung, ab wann eine wirtschaftliche Beeinflussung vorliegt immer einzelfallabhängig sein, d.h. sollte es zu einem Rechtsstreit kommen, wird eine Gesamtbetrachtung der einzelnen Kooperationsbedingungen stattfinden  müssen um prüfen zu können, ob eventuell bereits bei einem geringeren Wert von beispielsweise 40,00 oder 50,00 EUR eine wirtschaftliche Beeinflussung vorgelegen hat.

Wie kennzeichnet man Kooperationen auf Blogs richtig?

Auf Blogs liest man immer wieder die unterschiedlichsten Begriffe, die eine Kooperation mit Unternehmen kennzeichnen sollen. Welche sind jedoch rechtmäßig?

Advertorial – Sponsored Post – Gesponsert – Werbung – Anzeige ?

Leider schreibt das Gesetz nicht vor, wie Werbung auf dem Blog genau gekennzeichnet werden muss. Dies resultiert aus dem Umstand, dass die diesbezüglichen Rechtsvorschriften zu einer Zeit entwickelt wurden als es Blogs und Werbemaßnahmen im Internet wie wir sie heute kennen noch nicht gab. Da diese sich vielmehr auf die klassischen Werbemöglichkeiten in klassischen Medienformaten und nicht den speziellen Fall der Bloggerkooperation beziehen, müssen diese Vorschriften demnach auf letzteren entsprechend angewendet werden.

Entscheidend ist, dass der Leser deutlich erkennt, welchen Einfluss das Sponsoring des Unternehmens auf einen Blogbeitrag hat. Die bisher ergangene Rechtsprechung verdeutlicht allerdings, dass englische Begriffe wie „Sponsored post“ oder „Advertorial“ dabei nur mit größter Vorsicht zu verwenden sind.

Denn sollte es zu einem Gerichtsprozess kommen, so wird der Richter entscheiden müssen, ob ein „durchschnittlich informierter, situationsadäquat aufmerksamer und verständiger Verbraucher“ eindeutig erkennen kann, dass der Beitrag einen werbenden Charakter hat.

Der Richter stellt demnach auf den „Durchschnittsleser“ ab und muss einschätzen, ob dieser die englischen Begriffe überhaupt hinreichend versteht. Selbst wenn die regelmäßigen Follower eine englische Kennzeichnung inzwischen verstehen sollten, so ist die Blogreichweite natürlich nicht allein auf diese begrenzt.

Im Zweifel ist dem Leser also nicht verständlich, was mit „Sponsored post“ gemeint ist, weshalb deutsche Begriffe wie „Werbung“ oder „Anzeige“ vorzugswürdig sind.

Interessant dazu sind die Ausführungen des BGH aus dem oben genannten Urteil vom 06. Februar 2014:

Das strikte Gebot der Kenntlichmachung von Anzeigen wird grundsätzlich verletzt, wenn der präzise Begriff der „Anzeige“ vermieden und stattdessen ein unscharfer Begriff gewählt wird. Die Kennzeichnung der Beiträge mit den Wörtern „Sponsored by“ reicht nicht aus, um den Anzeigencharakter der Veröffentlichungen zu verdeutlichen. Entscheidend ist, ob der werbliche Charakter einer Veröffentlichung für einen durchschnittlich informierten und situationsadäquat aufmerksamen Leser bereits auf den ersten Blick ohne jeden Zweifel und nicht erst nach einer analysierenden Lektüre des Beitrags erkennbar ist.

Sehr deutlich ist an diesen Ausführungen also zu erkennen, dass die bisherige Rechtsprechung englische Begriffe als rechtmäßige Kennzeichnung nicht ausreichen lässt. Das mag unverständlich erscheinen, umgeben wir uns in der Blogosphäre doch gefühlt an allen Ecken und Enden mit englischen Begriffen. Auch in den sozialen Medien sind englische Begriffe allgegenwärtig.

Doch bis es hierzu keine entsprechende Klarstellung seitens der Rechtsprechung gibt, bleiben uns nur die o.g. Grundsätze. Dies wird hoffentlich spätestens in ein paar Jahren ganz anders aussehen, doch die bisherige Rechtsprechung ist bis dato eindeutig, was die Begrifflichkeiten von englischsprachiger Werbekennzeichnung angeht – so wenig nachvollziehbar das auch sein mag.

Instagram Werbekennzeichnung Influencer rechtliche Vorgaben

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Wo muss man die Kooperation kennzeichnen?

Oftmals sieht man auf Blogs, dass die Kooperation lediglich durch ein Sternchen* hinter dem, für das Unternehmen gesetzten Link oder der Bezeichnung des Produkts, das zur Verfügung gestellt wurde, gekennzeichnet ist.

Meistens wird dieses Sternchen dann unter dem Blogbeitrag dahingehend weiter ausgeführt, dass der Beitrag „in freundlicher Zusammenarbeit mit Unternehmen XY“ oder gar „in lovely collaboration with“ entstanden ist.

Gesehen habe ich sogar schon den Fall, dass das Sternchen zwar im Beitrag steht, jedoch in diesem nicht weiter erläutert wird. An irgendeiner anderen Stelle des Blogs wird dann erklärt, dass das Sternchen* eine Kooperation kennzeichnen soll.

Ich selbst würde eine Kooperation nie auf diese Weise kennzeichnen, da meines Erachtens damit die gesetzlichen Anforderungen an die Kennzeichnungspflicht nicht erfüllt sind und man sich auf diese Weise viel zu schnell für Abmahnungen angreifbar macht.

Selbst wenn irgendwo auf dem Blog eine Erläuterung für dieses Sternchen zu finden ist, ist dies wohl kaum ausreichend, da für den Leser keinesfalls „bereits auf den ersten Blick ohne jeden Zweifel“ der werbende Charakter bewusst wird. Gleiches gilt für die (meist auch noch recht klein gehaltene) Angabe unter dem Beitrag.

Am auffälligsten und somit am ehesten der Rechtslage entsprechend wird die Kennzeichnung als „Werbung“ oder „Anzeige“ in der Überschrift oder als deutlicher Hinweis gleich am Anfang des Textes sein – also zur deutlichen Kenntnisnahme des Lesers bevor er in die Lektüre einsteigt. Zwingend erforderlich ist das aber natürlich auch nicht.

Das OLG München hat in einem Urteil vom 17. Septemeber 2009 zu diesem Thema jedoch sehr interessante Ausführungen gemacht:

Ist der Werbetext als redaktioneller Beitrag aufgemacht, sind an die Kennzeichnung als Werbung hohe Anforderungen zu stellen; der Hinweis muss nach Schriftart, Schriftgröße, Platzierung und Begleitumständen ausreichend deutlich sein, um eine Irreführung zu vermeiden.

Dies ist doch schon einmal eine klare Äußerung dahingehend, dass der entsprechende Hinweis nicht irgendwo versteckt werden sollte.

Ganz verstehen kann ich ohnehin nicht, warum sich so viele Blogger davor scheuen, Werbung ordnungsgemäß auch als solche zu kennzeichnen. Ist es nicht genau das, was Blogger ausmacht – ihre Authentizität und der offene Umgang mit ihren Lesern?

Rechtsfolgen bei fehlerhafter/unterlassener Kennzeichnung

Wird gegen die gesetzlichen Vorgaben die Schleichwerbung betreffend (s.o.) verstoßen, können sowohl dich als Blogger als auch das beauftragende Unternehmen (s. zum Fall der nicht ausreichenden Werbekennzeichnung eines von Rossmann beauftragten Influencers auf Instagram hier) Abmahnungen treffen. Diese können zum einen von Bloggerkollegen derselben Sparte oder Mitbewerbern des kooperierenden Unternehmens in die Wege geleitet oder von verbraucherschützenden Organisationen angestoßen werden.

Wichtig zu wissen ist, dass eben nicht nur das Unternehmen, mit dem du als Blogger zusammenarbeitest, abgemahnt werden kann, sondern eben auch der Blogger selbst. Folgen können nicht nur Bußgelder sondern auch Schadensersatz- und/ oder Unterlassungsklagen sein.

So ist beispielsweise 2017 die Medienanstalt Hamburg/ Schleswig Holstein gegen einen Youtuber vorgegangen, der Werbung nicht richtig gekennzeichnet hat. Die Medienanstalt verhängte daher gegen ihn ein Bußgeld in Höhe von 10.500 EUR (das Verfahren wurde später eingestellt, als der Youtuber die entsprechenden Videos löschte und sich seither an die Kennzeichnungspflicht hält). Das zieht natürlich nicht nur einen gewissen Imageschaden nach sich, sondern kann auch richtig teuer werden. Gemäß § 49 RStV kommen sogar noch höhere Bußgelder bis zu 500.000 EUR in Betracht.

Ein weiteres Problem in diesem Zusammenhang kann sein, dass der mit dem Unternehmen geschlossene Vertrag aufgrund der fehlenden Werbekennzeichnung gem. §§ 134, 138 (242) BGB unwirksam sein kann mit der Folge, dass der Blogger keinerlei Ansprüche, insbesondere keinen Anspruch auf Vergütung, daraus mehr herleiten kann.

Im Bloggeralltag

Lasst euch von Unternehmen nicht zu „krummen Dingern“ überreden – Werbung sollte auch als solche gekennzeichnet werden und das deutlich! Am besten direkt in der Überschrift des Blogbeitrags oder gleich am Anfang des Textes (auf den ersten Blick erkennbar) und nicht versteckt irgendwo ganz klein innerhalb des Beitrags oder durch Verweis mit einem Sternchen auf einen Hinweis am Textende oder auf eine andere Blogseite.

Am Ende bist du es, der in den sauren Apfel beißen und eventuell hohe Abmahnkosten zahlen muss. Ob das eine Kooperation mit einem Unternehmen, das obendrein die rechtlichen Vorschriften nicht zu beachten scheinen möchte, wirklich wert ist, wage ich doch ganz stark zu bezweifeln.

  • Vorformulierter Blogbeitrag: Veröffentlicht der Blogger einen vom Kooperationspartner vorformulierten Beitrag über ein zugesendetes Produkt, ohne den Leser darüber zu informieren, handelt es sich um eine, als redaktioneller Beitrag getarnte Werbung, die der Kennzeichnungspflicht unterfällt.
  • Bezahlter Blogbeitrag: Schreibt der Blogger einen Beitrag, für den er vom Kooperationspartner bezahlt wird, muss er diesen hinreichend kennzeichnen. Wie genau, das haben die Gerichte bislang leider nicht abschließend entschieden. Allerdings ging die Tendenz bisher stark dahin, dass entgegen den Begriffen „Anzeige“ oder „Werbung“ verwendete englische Begriffe wie „Sponsored Post“ nicht als ausreichende Kennzeichnung angesehen wurden. Weiterhin wurde gefordert, dass die Kennzeichnung für den Leser „bereits auf den ersten Blick ohne jeden Zweifel und nicht erst nach einer analysierenden Lektüre des Beitrags erkennbar“ sein muss (s.o.).
  • Werbebanner: Bei Werbebannern kommt es darauf an, ob nach dem Gesamteindruck erkennbar ist, dass es sich um Werbung handelt. Bei den inzwischen im Internet typischen Werbebannern oder auch Pop-Ups ist dies nach der Rechtsprechung für den durchschnittlichen Internetnutzer heutzutage in den meisten Fällen als Werbung zu erkennen. Nach dieser Rechtsprechung benötigt ein Werbebanner die Kennzeichnung als „Werbung“ oder „Anzeige“ meist nicht. Schaden wird sie aber sicher auch nicht.
  • Affiliate Links: Erhält der Blogger durch die Platzierung sogenannter „Affiliate Links“ eine Provision, liegt darin die Bezahlung des Bloggers. Kennzeichnung ist hier Pflicht – wie genau diese zu erfolgen hat, ist aber nicht abschließend geklärt. Anbieten würde sich beispielsweise der Hinweis in der Überschrift „Enthält Werbelinks“ oder ein deutlicher Hinweis direkt am Anfang des Textes, bevor der Leser in die Lektüre einsteigt.

Bild: StockSnap / Pixabay

20 Comments
  1. Huhu,
    Vielen Dank für diesen hilfreichen Text. Eines habe ich allerdings nicht so ganz verstanden, bei einem freiwilligen Blogbeitrag über ein zugesendetets Produkt; ist die Kennzeichnung da freiwillig oder Pflicht? Und greift dieses Gesetz bei jedem Warenwert oder erst ab einem beliebigen Preis?
    Liebe Grüße

  2. Liebe Sonja,

    vielen Dank für deinen Beitrag. Wie ist es, wenn ich mich von einem Hotel einladen lassen? Und macht es einen Unterschied, ob ich bspw. eine Presserate bekomme oder mich vollständig einladen lasse. Bin ich danach überhaupt verpflichtet zu schreiben? Also ich habe jetzt noch von keinem Fall gelesen in dem ein Hotel oder ein Tourismusverband einen Blogger auf Schadensersatz verklagt hat…

    Wie ist das mit Hoteleinladungen oder kostenlos zugeschickten Produkten – zählen die auch zu „Einnahmen“? Und ab welchem Gesamtbetrag im Jahr wird das relevant? Muss ich zwangsläufig ein Gewerbe anmelden, wenn ich einen Blog führe? Auch dann, wenn ich keine Rechnungen stelle, sondern nur ein paar Barter Deal mache?
    Liebe Grüße!

      1. Hallo Sonja, da hebe ich auch gleich die Hand, denn das Thema würde mich auch interessieren. Im Moment handhabe ich es zumindest so, dass ich Pressereisen mit Stern und unter dem Artikel dem Hinweis auf die Unterstützung durch Touri-Info XY (Werbung) kennzeichne. Ich denke einmal, das ist schon ein vernünftiger Ansatz. Viele Grüße, Ivana

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