Influencer-Kooperation mit Fake Followern strafrechtlicher Betrug?

Instagram hat sich zunehmend als lukrative Einnahmequelle für Influencer etabliert und immer mehr Unternehmen berücksichtigen Influencer Marketing heute als Werbemaßnahme in ihren Marketingbudgets. Damit einher geht leider auch die Zunahme des Fake-Follower-Geschäfts, das unter gewissen Umständen sogar strafrechtliche Folgen für den Influencer haben kann.

Es gibt manche Dinge, die erschließen sich mir einfach so ganz und gar nicht. Dazu gehört auch der Kauf von Fake Followern auf Instagram.

Gleich aus mehreren Gründen ist das einfach eine ganz schlechte Idee:

  • Was bringen Fake Follower, die sich für die geposteten Bilder überhaupt nicht interessieren? Die weder mit dem Accountinhaber interagieren noch Bilder liken? Gar nichts.
  • Es gibt inzwischen Tools, mit denen man herausfinden kann, wieviel Prozent der Follower “Fake Follower” sind.
  • Und drittens und das ist der wichtigste Punkt von allen: Geht ein Instagrammer mit einem, aus Fake Followern bestehenden Instagram-Profil eine Kooperation mit einem Unternehmen ein, so kann dies unter gewissen Umständen sogar strafrechtlich einen Betrug darstellen.

Genau um dieses letztgenannte Thema des Follower Fraud soll es im folgenden Artikel auf Bloggerlaw gehen. Denn was sicher viele Influencer, die ihre Followerzahl mit dem Kauf von Fake Followern aufgepeppen, nicht wissen: Unter bestimmten Umständen können sie sich sogar eines Betruges strafbar machen. Dies insbesondere dann, wenn sie eine Kooperation mit einem Unternehmen eingehen.

Influencer-Kooperation mit Fake Followern strafrechtlich ein Betrug?

Das schauen wir uns einmal genauer an.

In § 263 Absatz 1 StGB, der den strafrechtlichen Betrug regelt, heißt es:

Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Und in Absatz 2 heißt es weiterhin, dass bereits der Versuch strafbar ist.

Influencer-Betrug: Täuschung des Unternehmens über die Anzahl der (echten) Follower

Zur Annahme eines Betruges müsste der Kooperationspartner zunächst einmal “getäuscht” worden sein.

Als Täuschung im Sinne des § 263 StGB wird jede Einwirkung (durch aktives oder konkludentes Tun oder durch Unterlassen) auf das Vorstellungsbild eines Anderen mit dem Ziel der Irreführung über Tatsachen verstanden.

Möglich wäre die Annahme einer Täuschung durch aktives Tun zumindest dann, wenn der Influencer bei den Vertragsverhandlungen mit dem Kooperationspartner von sich aus erklärt, dass seine Followerschaft nur aus echten Followern besteht.

Eine Täuschung durch Unterlassen wäre dann denkbar, wenn der Influencer während der Vertragsverhandlung als Garant verpflichtet wäre, durch eine ihm tatsächlich mögliche Aufklärung die Entstehung eines Irrtums zu verhindern oder aber den erkennbar bereits entstandenen Irrtum zu beseitigen.

In den meisten Fällen der Instagram-Kooperation mit Fake Followern wird jedoch wahrscheinlich eine konkludente Täuschung in Betracht kommen. Bei Vertragsschluss erklärt der Instagrammer konkludent, dass die Follower seines Accounts echte Follower sind und keine Fake Follower, die er sich dazu gekauft hat.

Irrtum des Unternehmens über die Anzahl der tatsächlichen Follower

Durch diese Täuschung muss beim Kooperationspartner ein Irrtum entstanden sein.

Der Kooperationspartner, der mit dem Instagrammer zusammenarbeiten möchte, wird vor Vertragsschluss eine Entscheidung dahingehend getroffen haben, warum gerade dieser eine Instagrammer der Richtige für die Kooperation ist.

Neben der Persönlichkeit und der Art der Contentaufbereitung wird ein wesentlicher (bzw. der wesentliche) Punkt die Followerzahl des Instagrammers sein.

Anhand derer lässt sich für das Unternehmen nämlich schnell erkennen, wie groß die (vermeintliche) Reichweite des Instagrammers ist. Auf Grundlage dieser Zahl (und gegebenenfalls zusätzlicher Faktoren) wird entschieden, ob sich die Werbemaßnahme für das Unternehmen lohnen wird.

Meist wird es sich also bei der Followeranzahl um die wesentliche Geschäftsgrundlage des Vertrages mit dem Instagrammer handeln. Diese Geschäftsgrundlage hat der Instagrammer jedoch zu seinen Gunsten manipuliert, indem Follower dazu gekauft wurden und er demnach eine vermeintlich größere Reichweite hat, als dies tatsächlich der Fall ist.

Ein Irrtum des Unternehmens wird mithin vorliegen.

Vermögensschaden des Unternehmens

Eine weitere Tatbestandsvoraussetzung des § 263 Abs. 1 StGB ist das Vorliegen eines Vermögensschadens aufgrund einer Vermögensverfügung.

Der Vermögensschaden liegt im Fall der Kooperation mit einem Fake-Follower-Influencer darin, dass das Unternehmen dem Instagrammer für die vereinbarte Werbemaßnahme eine Vergütung zahlt.

Diese ist in der Praxis regelmäßig daran bemessen, wie viele Personen mit der Maßnahme potenziell erreicht werden sollen. Die Reichweite des Instagramprofils ist demnach also quasi die Grundlage für die Bemessung dieser Vergütungshöhe.

Da durch die Fake Follower aber viel weniger Personen tatsächlich erreicht werden können als die Followeranzahl suggeriert, besteht ein Missverhältnis zwischen gezahlter Vergütung (die sich an einer sehr viel höheren Followerzahl orientiert hat) und derjenigen Vergütung, die aufgrund der tatsächlichen Followerzahl hätte gezahlt werden müssen.

Diese Differenz stellt den Vermögensschaden dar.

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Kommerzielle Accountnutzung mit Fake Followern kann strafbar sein

Wichtig zu verstehen ist in diesem Zusammenhang, dass allein das Kaufen von Fake Followern an sich keine strafbare Handlung darstellt.

Nutzt der Instagrammer das Profil allerdings kommerziell und erzielt dadurch Einnahmen, dass er mit Unternehmen auf Grundlage seiner Followerzahl kooperiert, kann dies strafrechtlich einen Betrug durch den Influencer darstellen, der entsprechend geahndet werden könnte.

Fake Follower auf Instagram – Künftig eine Frage für den Staatsanwalt?

Natürlich können die genannten Ausführungen keinesfalls pauschalisiert werden, denn jeder rechtliche Fall ist mit seinen fallspezifischen Einzelheiten separat zu betrachten. Dass Influencer Marketing künftig eine Frage für den Staatsanwalt sein könnte, ist aber keinesfalls abwegig.

Interessant dürfte in einem Verfahren dann noch die Beweisfrage, insbesondere hinsichtlich der Täuschung des Kooperationspartners durch den Influencer sein. Denn theoretisch könnte jeder der möchte, Fake Follower für jedes (öffentliche) Instagramprofil einkaufen, ohne dass der eigentliche Accountinhaber davon Kenntnis hat.

Thematisiert wurde diese Problematik unter anderem bereits im Fall Cathy Hummels, deren Instagramprofil im Rahmen einer Followeranalyse negativ aufgefallen war. Sie selbst hatte mitgeteilt, dass sie bei der Followerzahl nicht durch den Kauf von Fake Followern nachgeholfen hatte, sondern dies das Werk eines Fremden gewesen sein müsse.

Im Strafverfahren wäre hier sicherlich die Beauftragung eines IT-Sachverständigen oder Social Media Experten denkbar, der das in Frage stehende Instagramprofil im Hinblick auf Fake Follower analysieren würde.

Bislang sind mir keine Fälle bekannt, in denen sich die Staatsanwaltschaft bereits mit einem solchen Influencer-Betrug auseinander zu setzen hatte und es bleibt abzuwarten, ob dies künftig zu einer ernst zu nehmenden strafrechtlichen Thematik werden könnte. Denkbar wäre dies auf jeden Fall.

Strafrechtliche Folgen fuer Influencer Betrug mit Fake Followern

Im Praxisalltag – Was sollten beide Seiten beachten?

Dass jedes öffentliche Instagramprofil nur aus echten Followern besteht, dürfte heutzutage eine Illusion darstellen.

Denn selbst wenn man als Instagram-Accountinhaber niemals bei der Followerschaft durch den Kauf von Fake Followern nachgeholfen hat, wird das eigene Profil auf der, inzwischen leider bot-verseuchten Plattform Instagram, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit einen bestimmten Prozentsatz an Fake Followern aufweisen. Selbst wenn Instagram gegen Bots und Fake Follower inzwischen vehementer vorgeht, merkt man davon als User bislang zwar vielleicht ein bisschen, aber lange noch nicht genug. Eine so große Plattform wie Instagram ist hier definitiv auch in der Pflicht noch mehr gegen das Fake Follower Problem zu unternehmen.

Möchten Influencer und Kooperationspartner zusammenarbeiten, sollten daher beide Seiten bei der Vertragsverhandlung miteinander über das Problem „Fake Follower“ sprechen und die Followerschaft des in Frage stehenden Accounts überprüfen und analysieren.

Dies könnte beispielsweise dadurch geschehen, dass das Ergebnis einer Followeranalyse durch ein entsprechendes Tool und „händischer“ Überprüfung des Accounts in den Vertragsverhandlungen nicht nur offen thematisiert, sondern dieses Ergebnis sogar im Vertrag integriert wird.

So wird deutlich, dass beiden Seiten das Problem “Fake Follower” bekannt war und somit auch das Honorar des Influencers auf dieser Grundlage beziehungsweise mit diesem Wissen bemessen wurde.

Der Influencer könnte somit den Vorwurf der Täuschung des Vertragspartners über Fake Follower in seinem Instagramprofil zumindest von vorneherein etwas entkräftigen.

Dass diese Vorgehensweise in der Praxis tatsächlich so gehandhabt wird, erscheint derzeit womöglich eher unwahrscheinlich (beziehungsweise nur für diejenigen Fälle wahrscheinlich, in denen auch niemand etwas zu verbergen hat).

Doch wir müssen einen Weg finden, transparenter und fairer miteinander im Influencer Marketing umzugehen und wegkommen von dubiosen Geschäften mit Fake Followern und Bots auf Instagram. Auch die Gewichtigkeit des Kriteriums „Followeranzahl“ sollte überdacht und mehr Wert auf andere Auswahlkriterien gelegt werden. Denn nur so kann das Influencer Marketing auf lange Sicht eine wichtige Größe im Marketing-Mix bleiben und nicht an Stellenwert und Seriosität verlieren.

Icons: Freepik

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