Blogger Relations und Influencer Marketing sind als Marketingmaßnahme vieler Unternehmen in der Werbebranche angekommen. Was vor einigen Jahren noch undenkbar schien, ist heute anerkannte Werbemaßnahme: die Kooperation mit Bloggern. Sei es beispielsweise durch Produktplatzierungen, langfristige Werbekampagnen, Erfahrungsberichte über eine Marke oder eine Destination – es gibt inzwischen zahlreiche Möglichkeiten, mit Bloggern zu kooperieren. Doch wie findet man als Unternehmen den passenden Blogger für eine Werbekampagne oder Marketingmaßnahme? Und was ist hinsichtlich Leserzahlen, Engagement Rate und Fake Followern zu beachten?

So finden Unternehmen den passenden Blogger für ihre Kooperation

Damit die Werbekampagne mit einem Blogger auch für das Unternehmen erfolgreich ist, ist es von entscheidender Bedeutung den passenden Blogger zu finden. So würde es verständlicherweise wenig bringen, wenn eine Tech-Blog über eine Reisedestination schreiben würde. Die Zielgruppen sind einfach zu unterschiedlich. Aber wie können Unternehmen den richtigen Blogger finden? Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten, die ich im Folgenden vorstellen möchte.

Recherche in Suchmaschinen und auf Social Media

Einfach und naheliegend: die Recherche nach Blogs über Suchmaschinen. Ist man auf der Suche nach einem Blogger helfen Google und andere Suchmaschinen dabei, um sich zunächst einmal einen Überblick zu verschaffen. Sucht man beispielsweise nach Bloggern einer bestimmten Branche, so schadet es ganz sicher nicht, zunächst einmal zu recherchieren, welche Ergebnisse die Suchmaschine beispielsweise bei der Suche nach „Buchblogger“ ausspuckt.

  • Tipp: Als Unternehmen solltest du aber nicht nur nach Blogs an sich suchen, sondern vielmehr nach Inhalten recherchieren. So findet der Leser die Blogs über Suchmaschinen in den allermeisten Fällen, weil er nach einem ganz bestimmten Problem oder einer bestimmten Frage sucht (Beispiel: „Geheimtipps New York Reise“ oder „Was ist ein SSL Zertifikat“ o.ä.).

Ebenfalls hilfreich ist die Recherche nach Blog-Rankings bzw. Blog-Bestenlisten. So gibt es zum einen Rankings von Bloggern selbst, die andere Blogger in bestimmten Kategorien empfehlen. Zum anderen haben aber auch bereits Magazine oder auch Online-Portale schon „Die besten Blogger“ in bestimmten Bereichen oder Branchen gelistet.

Ob in diesen Rankings dann auch gerade der eine passende Blogger enthalten ist, muss natürlich nicht zutreffen. Einen guten Überblick über den Bloggermarkt bieten solche Rankings aber auf jeden Fall.

Auch in den sozialen Medien kann man sich einen guten Überblick über Blogs verschaffen. So bietet es sich beispielsweise an, mit bestimmten Hashtags gezielt nach Bloggern zu suchen.

Auf Instagram findet man z.B. mit dem Hashtag #reiseblogger_de aktive Reiseblogger auf Instagram. Ähnlich wie bei der Suche über Suchmaschinen dient die Recherche über Social Media aber vor allem dazu, sich erst einmal einen gewissen Überblick zu verschaffen. Hat man dann einen potentiell passenden Blogger gefunden, so bieten sich Plattformen wie Instagram natürlich auch gut dafür an, dem Blogger zu folgen und ihn dadurch etwas kennenzulernen und von dessen Arbeit etwas mitzubekommen.

Blogger Relations Kooperation richtig angehen

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Messen, Konferenzen & Blogger-Events

Eine weitere tolle Möglichkeit, Blogger sogar direkt persönlich kennenzulernen sind einschlägige (Fach-)Messen. So bietet sich beispielsweise für Destinationen und Unternehmen aus der Reisebranche die jährliche Möglichkeit auf der führenden Fachmesse für die internationale Tourismusbranche ITB in Berlin an, um mit Bloggern ins Gespräch zu kommen.

Bereits vorab kann man als Aussteller über den ITB Virtual Market Profile von Bloggern einsehen und sie zu einem Kennenlernen zum eigenen Stand einladen.

  • Auch klasse: das Blogger Speed Dating auf der ITB. Wie das funktioniert? Vertreter der Reisebranche und ausgewählte Blogger treffen sich zu kurzen, vorab geplanten Meetings. In den 8-minütigen Slots haben beide Seiten dann die Gelegenheit sich ihre Ziele vorzustellen und sich kennenzulernen, bevor im Anschluss direkt das nächste Meeting mit einem anderen Blogger bzw. einem anderen Unternehmen startet.

Folgende Messen & Blogger-Events kommen z.B. für ein Kennenlernen mit Bloggern in Betracht:

Eine weitere Möglichkeit ist natürlich, dass man als Unternehmen selbst ein Blogger-Event initiiert, um Blogger kennenzulernen. So kenne ich es beispielsweise von meinem Reiseblog, dass bereits manche Hotelketten zu Blogger-Events in einem neu eröffneten Hotel eingeladen haben, um so direkt mit Bloggern in Kontakt zu kommen.

Reichweite ist nicht alles – Follower sind nicht zwangsläufig auch Kunden

Die Sache mit der hohen Followerzahl/Besucherzahl & Fake Followern

Ein wichtiger Punkt, den meines Erachtens leider viel zu viele Unternehmen noch immer nicht richtig verstanden haben ist, dass Follower bzw. die Besucherzahl alleine nicht alles sind.

Insbesondere in den sozialen Medien ist nicht immer alles Gold, was glänzt. Gerade auf Instagram sagt eine hohe Followerzahl heutzutage leider nicht immer das aus, was sie verspricht. Klar, eine große Anzahl an Followern ist zunächst einmal ein Indiz dafür, dass der Influencer/Blogger eine hohe Reichweite und viele treue Anhänger hat. Leider ist Instagram aber inzwischen Bot-verseucht und Fake Follower sind an der Tagesordnung.

Ein Account mit zahlreichen Fake Followern ist für Unternehmen allerdings wenig wert bzw. man könnte fast schon sagen schlicht heraus geschmissenes Geld. Denn die Followerzahl kann noch so hoch sein, wenn über die Hälfte der Follower keine echten Personen sind, erreicht die Werbemaßnahme eben nicht die gewünschte Anzahl an Zielpersonen und ist damit deutlich weniger wert als der Betrag der womöglich dafür ausgegeben wurde.

Indizien für Fake Follower kann man selbst erkennen. Hat ein Profil beispielsweise 60.000 Follower, aber auf Bildern nur 100 Likes und wenige Kommentare spricht diese schlechte Engagement Rate oftmals dafür, dass sich hinter dem Profil keine echten Follower verbergen.

Es gibt inzwischen Tools, mit denen du überprüfen kannst, aus wie viel Prozent Fake Followern ein Instagram-Profil besteht:

Jedes öffentliche Instagramprofil dürfte dabei inzwischen eine gewisse Anzahl an Fake Followern aufweisen. Dies ist leider heutzutage kaum noch zu verhindern, da die Botfarmen automatisiert funktionieren und Profilen massenhaft folgen. Ist die Anzahl an Fake Followern allerdings sehr hoch, spricht vieles dafür, dass der Instagrammer gegebenenfalls nachgeholfen und Fake Follower gekauft hat.

Mir persönlich ist zwar immer noch unerklärlich, wieso jemand überhaupt auf diese dämliche Idee kommen kann. Doch leider steckt dahinter tatsächlich ein „Serious Business“. So findet man auf Instagram beispielweise inzwischen zahlreiche Angebote wie dieses hier:

Zu hoffen bleibt, dass Instagram hier in Zukunft vehementer durchgreifen wird, um das Fake-Follower-Problem einzudämmen.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist mir nur, mitzuteilen, dass ein Unternehmen eben nicht ausschließlich auf die Followerzahl eines Accounts achten sollte. Das wichtigste ist ohnehin, dass die Arbeit/der Content des Influencers/Bloggers zur gewünschten Kampagne und zur Marke passt. Dies erfährst du allerdings nur, wenn du dir das Profil/den Blog genauer anschaust und dich mit dem Content des Bloggers/Influencers genauer auseinandersetzt.

Besucherzahlen und Reichweite von Blogs richtig bewerten

Auch hinsichtlich Besucherzahlen bei Blogs kannst du als Unternehmen inzwischen einige Tools verwenden, um herauszufinden, ob der Blog, mit dem du als Unternehmen zusammenarbeiten möchtest auch tatsächlich die Reichweite bzw. Besucherzahlen/Leser hat, die der Blogger dir angegeben hat.

Anders als in den sozialen Medien müssen wenige Kommentare unter Blogposts aber übrigens noch nicht bedeuten, dass der Blog wenige Leser hat. Denn Leser eines Blogs landen oft mit anderer Intention auf einem Blog als Social Media Nutzer auf einem Social Media Profil. Sie gelangen oft über die Recherche in Suchmaschinen mit einem konkreten Problem als Nutzer auf den Blog. Sie suchen also nach Informationen zu konkreten Fragen, die in den Blogbeiträgen beantwortet werden. Wurde die Frage allerdings bereits durch das Lesen des Beitrags beantwortet, ist ein Kommentar meist überflüssig.

Anders als in den sozialen Medien sind die Leser eines Blogs auch eher lieber anonym im Internet unterwegs und möchten vielleicht keinen öffentlichen Kommentar hinterlassen. Das kenne ich aus Erfahrung. Oftmals erhalte ich Kommentare oder Rückfragen zu den Artikeln auf meinem Reiseblog über private Nachrichten der Leser, die mich lieber per E-Mail oder aber die Nachrichtenfunktion meiner Social Media Accounts mit konkreten Fragen kontaktieren als ihre Fragen öffentlich im Kommentarfeld zu hinterlassen.

Nichtsdestotrotz hat fast jeder professionelle Blog inzwischen ein Analysetool aufgespielt, dass oftmals genauen Aufschluss auf die Besucherzahlen liefert. Üblich ist, diese Zahlen in einem Media Kit festzuhalten, welches auch jeder professionelle Blog quasi in der Schublade hat.

Um überprüfen zu können, ob die dort genannten Zahlen ungefähr mit der Wirklichkeit übereinstimmen, ist das Tool Similarweb eine gute erste Anlaufstelle. Mittels Big-Data-Technologie sammelt und analysiert das Tool Statistiken zu Nutzer Engagement und Zugriffen von Webseiten. Zudem hat man über das Tool die Möglichkeit, ähnliche Webseiten miteinander zu vergleichen.

Nichtsdestotrotz sollten die Ergebnisse von Similarweb zumindest hinterfragt werden, da die Daten wohl nicht immer übereingestimmt haben. Tatsächlich ganz genaue Werte wird diese Webseite ohnehin nur liefern können, wenn der Blogger seinen Analyticstool mit Similarweb verbunden hat. Als erster Anhaltspunkt ist diese Seite aber nicht schlecht.

Spezialisierte Agenturen

Heutzutage gibt es zahlreiche Agenturen, die sich auf Blogger Relations und Influencer Marketing spezialisiert haben. Unternehmen können diese Agenturen mit einigen Eckdaten zur geplanten Kooperation/Kampagne mit der Recherche nach passenden Bloggern/Influencern beauftragen. Die Agenturen verfügen teilweise bereits über eine Datenbank an Bloggern und sind im Markt oftmals gut vernetzt.

Viele dieser Agenturen übernehmen dabei auch die komplette Kommunikation mit dem Blogger. Von der Ansprache, über die Akquise, Verhandlung und spätere Abwicklung der Kooperation. Dies ist für Unternehmen sicher der einfachste, aber gegebenenfalls nicht günstigste Weg zur Blogger-Kooperation. Wie die Ansprache aber bitte nicht erfolgen sollte, das hatte ich hier bereits einmal ausführlicher beschrieben.

Agenturen, die mit Bloggern/Influencern zusammenarbeiten:

Marktplätze für Blogger und mögliche Kooperationspartner

Wer keine Agentur beauftragen möchte, die sich auf die Suche nach Bloggern begibt, kann auch Marktplätze nutzen, auf denen aktiv Such-Kampagnen für Blogger/Influencer gestartet werden können. In einer, vom Unternehmen selbst zu bestimmenden Bewerbungsphase stellt dieses seine gewünschte Werbemaßnahme inklusive Konditionen auf die Plattform und Blogger können sich darauf bewerben.

Ebenfalls möglich ist die Konstellation, dass das Unternehmen gezielt mit ausgewählten Bloggern über die Plattformen Kontakt aufnimmt.

Folgende Plattformen bieten solche Marktplätze an:

Facebookgruppen

Eine weitere Möglichkeit, Blogger für eine Werbemaßnahme zu finden, sind (meist) geschlossene Facebookgruppen, die genau diesen Sinn und Zweck haben. Erfahrungsgemäß sind diese Gruppen eher für kleinere Firmen relevant, nichtsdestotrotz ist der große Vorteil, dass beide Seiten sich direkt ein Bild voneinander machen können und über den Messenger sehr einfach in direkten Kontakt treten können.

Folgende bekannte Facebookgruppen gibt es in diesem Bereich:

 

Du kennst weitere Marktplätze, Agenturen oder relevante Facebookgruppen? Dann poste sie doch gerne unten in die Kommentare – die Listen werden stetig aktualisiert.

Bild: iStock.com/ipopba

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