Ein Blog ohne Bilder? Kaum vorstellbar. Gerade Reise-, Lifestyle- und Fashionblogs leben von professionellen Fotos. Doch nicht jeder macht sich die Mühe oder hat die nötigen Mittel oder die Zeit, eigene Fotos zu schießen, um seine Blogbeiträge damit aufzupeppen. Kein Problem, oder? Es gibt ja schließlich Pinterest, Flickr oder eine der anderen zahlreichen Fotodienste, auf denen man sich ja mal nach passenden Fotos umschauen könnte, nicht wahr? Doch spätestens hier ist Vorsicht geboten! Warum dies der Fall ist und was es zu beachten gilt, wenn man fremde Bilder auf dem Blog verwenden möchte:

Die Rechtslage

Das deutsche Urheberrecht ist nicht immer einfach zu durchdringen. Beim Urheberschutz an Fotos, ist es aber recht simpel. Vereinfacht gesagt gilt nämlich:

Mit Erstellung eines Fotos ist dieses automatisch für den Urheber geschützt. 

Eigentlich ganz cool, oder? Rechtlich einzuordnen sind Fotos dabei gem. § 2 Nr. 5 UrhG als sogenannte „Lichtbildwerke, einschließlich der Werke, die ähnlich wie Lichtbildwerke geschaffen werden“.

Ob diese besonders schön, künstlerisch oder originell sind, ist dabei für den rechtlichen Schutz des Urhebers zunächst einmal völlig irrelevant, da § 72 UrhG dem Urheber eines jeden noch so misslungenen, verwackelten oder unschönen Fotos als Lichtbild zumindest ein sogenanntes Leistungsschutzrecht daran zuspricht.

Anders verhält es sich etwa mit Grafiken oder Illustrationen. Diese müssen, um urheberrechtlich geschützt zu sein, eine gewisse „Schöpfungshöhe“, also ein gewisses Maß an Individualität aufweisen, um ein „Werk“ im Sinne des Urheberrechtsgesetzes darzustellen und als solches urheberrechtlich geschützt zu sein.

Liegt eine solche Schöpfungshöhe allerdings vor, verhält es sich ebenso wie beim Lichtbildschutz: allein dem Urheber obliegt es, sein Foto oder sein Werk zu nutzen, zu bearbeiten und sowohl on- als auch offline zu veröffentlichen. Andere Personen kann der Urheber allerdings gemäß § 31 UrhG dazu berechtigen, sein Foto zu nutzen, wobei er dieses Nutzungsrecht räumlich, zeitlich und inhaltlich beschränken kann.

An diesen Ausführungen kannst du bereits erkennen, dass so gut wie jedes Foto urheberrechtlich geschützt ist. Suchst du also im Internet nach Fotos und möchtest diese auf deinem Blog verwenden, greifst du mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in die Rechte eines Dritten ein. Ist dies der Fall, muss eine solche Rechtsverletzung aber nicht gleich in einer teuren Abmahnung enden.

Nehmen wir dieses Foto einmal als Beispiel, welches ich während einer Safari im Kruger Nationalpark für meinen Reiseblog geschossen habe:

Würde jemand dieses Foto nun ohne meine Erlaubnis nutzen, bestünden für mich als Urheberin unterschiedliche Möglichkeiten:

  • So kann ich als Rechteinhaberin die Nutzung beispielsweise nachträglich genehmigen – entweder ohne weitere Bedingungen oder aber gegen Zahlung eines Nutzungsentgelts.
  • Womöglich ist es mir aber auch völlig egal, dass jemand meine Bilder verwendet und ich lasse es einfach darauf beruhen.
  • Möglich und gleichzeitig das worst case scenario für den „Fotodieb“ ist allerdings, dass ich mit der Nutzung meines Fotos auf einer anderen Webseite so ganz und gar nicht einverstanden bin und der diebischen Elster eine kostspielige Abmahnung ins Postfach flattern lasse. Durch diese Abmahnung kann neben der Aufforderung zur Unterlassung der Nutzung auch eine Schadenersatzforderung geltend gemacht werden. Zusätzlich kann auch die Erstattung der notwendigen Anwaltskosten verlangt werden.

Gerade der letzte Fall ist natürlich recht unschön. Fragt sich, welche alternativen Möglichkeiten es gibt, fremde Bilder auf dem eigenen Blog zu veröffentlichen und was es dabei zu beachten gilt.

Fotoagenturen

Im Internet gibt es zahlreiche Fotoagenturen und Stock Photo Services, die oftmals für einen geringen Betrag Nutzungsrechte an professionellen Fotos anbieten. Grundsätzlich fährt man hiermit natürlich besser als sich einfach Bilder im Netz (beispielsweise über die Google-Bildersuche) abzuspeichern und auf seinem Blog einzufügen.

Bei der Nutzung von Fotos, die du über Fotoagenturen erworben hast, solltest du dir aber unbedingt (!) die Lizenzvereinbarung genau durchlesen. So kann es beispielsweise vorkommen, dass du lediglich ein Nutzungsrecht für deinen Blog, nicht aber soziale Netzwerke erworben hast. Sobald du das entsprechende Foto also z.B. auf Facebook teilst (oder den Blog-Beitrag mit dem Foto als Vorschaubild!), könnten schon wieder neue Probleme auftauchen.

Ebenfalls ein häufiger Trugschluss: auch bei kommerziellen Fotoagenturen, von denen man das Nutzungsrecht an einem Foto erwirbt, muss man oftmals einen Hinweis auf die Quelle des Bildes angeben. Auch das solltest du vor Erwerb des Nutzungsrechts genaustens studieren, um nicht wegen des fehlenden Hinweises abgemahnt zu werden. Die einzelnen Agenturen haben dabei meistens bereits die Art der Kennzeichnung in ihren Lizenzverträgen angegeben. Daran solltest du dich im besten Fall auch halten, um einer Abmahnung zu entgehen.

Abmahnrisiko?

  • Möglich, wenn die Lizenzvereinbarung sich bspw. auf redaktionelle, nicht aber kommerzielle Nutzung beschränkt.
  • Eventuell ist die Nutzung in sozialen Netzwerken nicht erlaubt.
  • Fehlende Urheberkennzeichnung
  • Das Foto wird bearbeitet, obwohl kein Bearbeitungsrecht erworben wurde
  • Beschränkung der Nutzung auf bestimmte Themenfelder (Beispiel: Ausschluss pornographischer, aber manchmal auch politischer Themengebiete)

Creative Commons Lizenz

Eine weitere Möglichkeit der Verwendung fremder Bilder auf dem eigenen Blog besteht durch Nutzung eines Fotos mit Creative Commons Lizenz. Creative Commons ist eine Non-Profit-Organisation, die es Urhebern ermöglicht, durch vorgefertigte Standard-Lizenzverträge das Nutzungsrecht an ihren Werken der Öffentlichkeit einzuräumen und somit zur Verfügung zu stellen.

Nicht gleichstellen mit einer Creative Commons Lizenz darfst du allerdings die uneingeschränkte Nutzung der Fotos, vielmehr sind die Nutzungsrechte bei einigen der Lizenzen teilweise bedeutend eingeschränkt. So sind auch hier Einschränkungen hinsichtlich der kommerziellen Verwendung, Namensnennung und Bearbeitungsmöglichkeiten des Fotos zu beachten.

Lediglich die CC01 Lizenz, die unter anderem auch manche Fotoportale wie Pixabay anbieten, sieht vor, dass man das Werk „kopieren, verändern, verbreiten und aufführen, sogar zu kommerziellen Zwecken verwenden darf, ohne um weitere Erlaubnis bitten zu müssen.“

Aufpassen must du aber auch hier unbedingt, denn selbst wenn Fotoportale angiben, dass von den Autoren sämtliche Urheber- und verwandten Rechte an den Inhalten abgetreten wurden und die Bilder somit auch ohne Bildnachweis und Quellenangabe verwendet werden können, übernimmt das Portal keineswegs eine Garantie dafür, dass dem Abtretenden überhaupt das Recht zur Abtretung zustand. Gleiches gilt, wenn man in der Bildersuche von Google nach lizenzfreien Fotos sucht. Auch hier steht keinesfalls fest, dass das Foto tatsächlich lizenzfrei genutzt werden kann.

Abmahnrisiko?

  • Einzelne Creative Commons Lizenzen solltest du genau studieren, auch hier müssen oft Einschränkungen hinsichtlich Verwendungsart und Urheber-Namensnennung beachtet werden
  • Auf Plattformen wie Pixabay oder der Google-Bildsuche mit dem Filter „lizenzfrei“ besteht keine Garantie für die tatsächliche Lizenzfreiheit der Fotos.
  • Tipp: Nutzer direkt anschreiben und sich das Nutzungsrecht per E-Mail bestätigen lassen.

Eigene Bilder verwenden – auch nicht unproblematisch!

Als rechtlich am sichersten kann man die Verwendung eigener Fotos bezeichnen. Nichtsdestotrotz darfst du selbst Fotos, die du eigens geschossen hast nicht immer veröffentlichen. Klingt komisch, ist aber so – Denn zu unterscheiden sind hier insbesondere drei Problemfälle:

  • Das Recht am eigenen Bild von Personen, die möglicherweise auf den Fotos abgebildet sind
  • sowie Rechte Dritter an Gebäuden oder Werken, die darauf zu sehen sind
  • und das sogenannte Hausrecht.

Das Recht am eigenen Bild

Wenn andere Personen neben oder statt dir auf deinem Foto abgebildet sind, darfst du es grundsätzlich ohne deren Einwilligung nicht veröffentlichen, da diesen das sogenannte Recht am eigenen Bild zusteht. § 22 KUG regelt, dass Bildnisse nur mit Einwilligung des Abgebildeten (oder bei Minderjährigen der gesetzlichen Vertreter) verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden dürfen. Grund dafür ist, dass jeder selbst entscheiden können soll, ob ein Foto auf dem er abgebildet ist, veröffentlicht wird oder nicht. Auch wenn du persönlich ebenfalls auf dem Foto abgebildet bist, obliegt es also nicht dir allein, das Foto auch veröffentlichen zu können.

Da § 22 KUG ein Veröffentlichen von Fotos allerdings sehr einschränkt und somit beispielsweise die Arbeit der Presse fast unmöglich machen würde, enthält § 23 KUG Ausnahmen und erlaubt die zur-Schau-Stellung von Personenfotos auch ohne die Einwilligung der Abgebildeten, wenn es sich u.a. um folgende handelt:

  • Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte
  • Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen
  • Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben

Absatz 2 des § 23 KUG enthält außerdem den Zusatz, dass die Veröffentlichung solcher Fotos dann nicht erlaubt ist, wenn ein „berechtigtes Interesse des Abgebildeten“ verletzt wird. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn die Fotos in die Privat- oder Intimssphäre der abgebildeten Person eingreifen.

Im Internet kursiert aufgrund der o.g. Ausnahmen seltsamerweise der Irrglaube, dass man Fotos von Personen in einer Gruppe von Menschen oder in einer großen Menschenmenge uneingeschränkt veröffentlichen darf. Das ist so aber nicht ganz richtig! § 22 KUG spricht nicht von Gruppen, sondern von „Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen“. Denn natürlich verlieren die abgebildeten Personen aufgrund der oben genannten Ausnahmen keinesfalls ihr Recht am eigenen Bild, wenn sie in einer Gruppe abgebildet sind.

Panoramafreiheit

Doch wie ist nun der Fall der Ablichtung von Gebäuden zu beurteilen? Die sog. Panoramafreiheit erlaubt es dir in Deutschland, Bilder von Gebäuden zu veröffentlichen, die auf öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen aufgenommen worden sind (§ 59 UrhG). So darf ich beispielsweise dieses Foto des Hamburger Rathauses, das ich vom frei zugänglichen öffentlichen Vorplatz des Gebäudes geschossen habe, auf meinem Blog veröffentlichen.

Ganz anders sieht das schon in Frankreich aus. Was viele sicher nicht wissen: ein Foto des beleuchteten Eiffelturms bei Nacht darf ohne Einwilligung der Firma Société d’Exploitation de la Tour Eiffel (SETE) nicht für kommerzielle Zwecke veröffentlicht werden, da diese sich die Beleuchtung des Eiffelturms hat urheberrechtlich schützen lassen. Willst du dein Foto davon kommerziell veröffentlichen, musst du demnach die Genehmigung der Firma einholen.

„Kommerziell veröffentlichen“ bedeutet übrigens hier auch schon das Veröffentlichen bei Facebook. Warum? Das Problem liegt daran, dass du bei Annahme der Facebook Nutzungsbedingungen zugestimmt hast, dass Dritte deine eingestellten Bilder verwenden dürfen. Da du aber selbst überhaupt nicht das Recht besitzt, diese Nutzungsbefugnis Dritten einzuräumen, muss man hier besonders vorsichtig sein.

Hausrecht

Problematisch kann es außerdem werden, wenn Innenaufnahmen eines Hauses abgebildet werden, obwohl der Eigentümer oder gegebenfalls der Mieter damit nicht einverstanden ist. Denn grundsätzlich soll es allein dem Eigentümer obliegen, darüber zu entscheiden, von wem und zu welchem Zweck (privat oder kommerziell) Fotoaufnahmen seines Eigentums angefertigt werden.

So ist es beispielsweise nach den Hausordnungen zahlreicher Museen oder Kunstausstellungen oftmals nicht gestattet, Fotos zu schießen beziehungsweise diese kommerziell oder überhaupt zu veröffentlichen. Ist dies der Fall, kann jedoch in den meisten Fällen ein schriftlicher Antrag bei den Betreibern gestellt und deren Erlaubnis eingeholt werden. Bevor du also einfach drauf los knipst, solltest du dich mit den Bestimmungen der Hausordnung vertraut machen oder, sofern dies möglich ist, den Eigentümer gleich selbst ansprechen.

Abmahnrisiko?

Problematisch wenn,

  • andere Personen
  • Gebäudefronten oder
  • das Hausinnere entgegen der Einwilligung des Berechtigten

abfotografiert werden.

Im Bloggeralltag

Bei der Bilderverwendung im Internet solltest du als Blogger nicht unbedacht sein. Viel zu schnell entsteht die Gefahr, dass du ungewollt Rechte Dritter verletzt. Selbst bei der Verwendung eigener Fotografien solltest du nicht unbehelligt Fotos auf dem eigenen Blog veröffentlichen, da auch hierbei einige rechtliche Fallstricke lauern können. Nichtsdestotrotz ist man mit eigenen Fotos immer noch auf der sichersten Seite, wie so oft gilt aber: Erst Nachdenken, dann Handeln!

1 Comment
  1. Ganz toller und interessanter Beitrag! Ich such schon ewig nach solchen Infos und hab nirgends was vertrauenswürdiges gefunden- endlich!!! 🙂 Danke dir!
    Wie ist das denn mit Zitaten aus anderen Artikeln, Blogs, von Großen Persönlichkeiten etc. Hast du da schon einen Beitrag?
    Liebe Grüße
    Franzi

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